11_BERGWÄCHTER_ [ 26.11.2017 ]

BERGWÄCHTER

@BERGWACHT HARZ

#11  [ 26.11.2017 ]

Es ist kalt und dunkel, beständig tropft Wasser herab, fällt tief hinab in eine unsichtbare Tiefe. Metall klimpert als Karabiner aneinander schlagen. Das Licht von Kopflampen durchschneidet die Finsternis. Kleine helle Inseln in der ewigen Nacht. Die Helfer der Bergwacht machen sich bereit zur Einfahrt in den Berg. 

Tief im Berg

120 Meter lassen sie sich an einem dünnen Drahtseil in Schacht hinab. Als zusätzliche Sicherung läuft ein Bergsteigerseil mit. Die alte Fördermaschine ist schon lange außer Betrieb. Eine selbstgebaute elektrische Winde übernimmt ihre Aufgabe. Der Schacht ist eng und rutschig, seine Wände sind nass und schmierig. Es wird immer paarweise eingefahren. Man hängt sich am Seil gegenüber und stützt sich mit dem Füssen ab, so dass die Retter immer in der Mitte des Schachtes in die Tiefe gleiten. Wo früher ein Förderkorb lief hängen die Männer und Frauen heute in Klettergeschirren. Das strapaziert Rücken und Bauchmuskulatur. Unten angekommen platscht es. Die erreichte Sohle steht fast knietief unter Wasser. Das eiskalte Nass schwappt fast in die Gummistiefel. Alles was tiefer liegt ist seit Jahren überschwemmt. Seit mehr als 80 Jahren wird hier kein Erz mehr gefördert.

Altbergbau als Herausforderung

Die Bergwacht Untertagerettung ist ein Fachgruppe der Bergwacht Harz. Als einzige Rettungseinheit in Deutschland haben sich die Männer und Frauen auf die Rettung von Verunglückten im Altbergbau spezialisiert. Die Mitglieder der Truppe kommen aus ganz Deutschland. Die meisten von ihnen entstammen dem SAR (Search and Rescue) Team der Grubenarchäologischen Gesellschaft (GAG). Alle sind selbst Hobbyforscher, die sich auf einen sehr speziellen Zweig der Industriegeschichte konzentrieren. Die Erforschung und Bewahrung des montanhistorischen Kulturgutes ist ihr Ziel. Die Expeditionen untertage sind oft anstrengend und nie ganz ungefährlich. Aus dieser Erfahrung heraus entstand die Idee zur Gründung einer eigenen Rettungstruppe. Professionelle Grubenwehren und Höhlenretter waren in der Regel nicht mit den speziellen Anforderungen oft schon seit Jahrhunderten verlassenen Bergbauanlagen vertraut. So entstand die Idee, die zuerst zur Gründung des SAR Teams und dann zur Bergwacht Spezialeinheit führte. Einen eigenen Ausbildungsweg für diese speziellen Grubenretter gibt es nicht. Die meisten kommen aus der montanhistorischen Forschung, einige aus der Höhlen- und Höhenrettung. Ein Hang zu besonderen Herausforderungen haben aber alle, die dort tätig sind. 

Schwarzbefahrer

Michael Pfefferkorn-Ungnad ist seit Jahren dabei. „In alten Stollen kann es oft ziemlich schnell und ziemlich weit abwärtsgehen“ Er weiß, das Besucherbergwerke wie sie viele Menschen kennen, nichts mit dem echten Altbergbau zu tun haben. Die Suche nach dem Unbekannten treibt daher immer wieder auch Amateure dazu in alte Stollen vorzudringen. „Schwarzbefahrer“ nennen wir diese Menschen, die oft wenig erfahren und schlecht ausgerüstet sind“ sagt der Experte. Das größte Problem besteht, wenn sich jemand nicht mehr alleine fortbewegen kann. Ein an der Erdoberfläche harmloser Bänderriß oder ein gebrochenes Bein werden in einem dunklen engen Stollen weit weg vom Mundloch schnell zu einem großen Problem.

Gesunder Menschenverstand

Eine kleine Ursache hat in einem engen, brüchigen und tiefgelegenen Grubenbau eine große Wirkung. „Bis der erste Retter vor Ort ist, können Stunden vergehen und dann kommt ganz schnell das Problem der Unterkühlung dazu“ beschreibt Pfefferkorn-Ungnad die Hauptschwierigkeiten. Glücklicherweise sind Einsätze dennoch selten. Tödliche Unglücke sind bisher kaum vorgekommen. In den letzten zwanzig Jahren gab es zwei Todesopfer im Altbergbau und etwa zwei Dutzend bekannte Unfälle. Wie groß die Dunkelziffer ist weiß allerdings niemand. Bei einem Todesfall kam es zu einem Absturz und der zweite Tote war ein Mineraliensammler der verschüttet wurde. In beiden Fällen war Unachtsamkeit und Leichtsinn die Unfallursache. Oft fehlt dann doch leider ein wichtiges Ausrüstungselement meint Michael Pefferkorn-Ungnad: „GMV, der gesunde Menschenverstand“.

BERGWACHT HARZ UNTERTAGERETTUNG

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Das Video entstand im Harz bei einer Übung zusammen mit dem Höhlenrettungsverbund Deutschland.

HRVD

 

Foto, Video, Text, Panorama: Stefan Sobotta